Manneville-és-Plains

Unsere Vorräte sind fast aufgebraucht, also starten wir heute mit relativ leichten Rucksäcken. Der Weg führt uns heute erstmal über kleine Straßen, die von Feldern umgeben sind, in die nächsten Orte. An der Kirche machen wir, wie so oft, Pause, um unsere Wasserflaschen zu füllen. Die Kirche ist innen ganz hell und schlicht gestaltet. Der Stein ist blank und wird nur durch einige Heiligenfiguren auf Sockeln geschmückt. Die dunklen Holzbänke sind nicht sehr bequem, aber die Akustik ist toll. Ich frage mich immer wieder, wieso man bei einer so tollen Akustik eine Mikrofonanlage braucht.

Ein deutscher Kleinbus hatte davor auch schon an der Kirche gehalten. Als ich aus der Kurche kam, stand Thomas bei ihm und rief mir zu ob ich Kaffee wöllte. Was für eine Frage…klar. Der Mann kam aus dem Rheinland und hatte auch einen Hund dabei. Er sprach kein Französisch und ich glaube auch kein Englisch, was für Thomas nicht so gut war. So konnte ich aber diesmal etwas übersetzen. Der Mann war schon achtzig Jahre alt, was wir beide nicht gedacht hätten. Er war begeistert von unserer Tour und dass es noch Leute gibt, die an Europa glauben. Er erzählte uns, wie er sich als junger Mann immer als Europäer oder Weltbürger gefühlt hat und nie unbedingt als Deutscher. Er hat als Kind den zweiten Weltkrieg noch erlebt. Es war ein interessantes Gespräch, gerade auch im Hinblick, wie er die Gegend hier, mit den ganzen Bunkern erlebt. Es ist gut zu hören, dass auch andere Leute die Gegend immer wieder als bedrückend erleben.

Für uns ging es nach dem Kaffee weiter nach Saint-Valery-en-Caux. Der Weg war nicht mehr so weit und wir hatten zwischendurch immer wieder freien Blick auf das Atomkraftwerk. Thomas hat mir dann erzählt, dass er abends noch gelesen hatte, dass es gestern einen Zwischenfall in dem Kraftwerk gab. Beruhigend war das nicht gerade für mich.

Von Weitem sahen wir schon den großen Supermarkt, an dem wir stoppen wollten, um Gas zu kaufen. Ich habe eine Ewigkeit gebraucht, bis ich mich in dem Supermarkt zurechtgefunden hatte und alles in meinem Korb war. Die Biolebensmittel stehen nämlich nicht einfach bei den normalen Lebensmitteln. Das macht Preise vergleichen schwer und ich bin so oft zwischen den Regalen hin und her gegangen. Tatsächlich waren die Biosachen zum Teil günstiger, als der Rest.

Wir sind dann zurück auf eine kleine Straße gegangen, um in das Stadtzentrum zu gelangen. Die Autos, die uns entgegen kamen, sind uns wirklich mit viel Abstand ausgewichen. Das war richtig auffallend. Die Straße hat uns dann durch einen älteren Stadtteil ins Zentrum geführt. Die Häuser waren wirklich schön und bestanden aus hellem und dunkelem Backstein. Der Hafen war auch hier mitten in der Stadt und da gerade Ebbe war, waren die Schleusen geschlossen. Das Wasser im Hafenbecken und spätr auch im Meer war milchig türkisgrün. Es sah so toll aus. Wie gemalt.

Wir sind erstmal Brotkaufen gegangen und haben dann Pause auf dem Marktplatz gemacht. Der Wochenmarkt war gerade zu Ende und viele Händler schon weg. In den Khsten zum Entsorgen haben wir noch gutes Obst und Gemüse gefunden. So viel Obst hatten wir lange nicht. Es war aber auch erschreckend, wie die Händler zum Teil mit ihren Waren umgehen. Der eine Händler, der gerade noch am zusammenpacken war, hat eine Melone, die auf dem Boden lag, einfach mit den Füßen zum Müll gekickt, statt sie zur Mitnahme zur Seite zu legen.

Nach dem Essen haben wir erstmal einen Tierarzt gesucht. Marvin hat Würmer, wie Thomas heute früh gesehen hat und wir brauchten etwas gegen Zecken und Flöhe für die Hunde. Die Zecken nerven uns hier ganz schön. Wir gucken die Hunde zum Teil mehrmals täglich durch und finden fast immer welche. Die anderen Leute beim Tierarzt waren ganz begeistert von unseren beiden an den Rucksäcken.

Da es jetzt schon nach 15 Uhr war, sind wir zu einer Bar gegangen, um das Frankreich-Spiel zu sehen. Wir waren die ersten und hatten eine kurze Zeit, die Bar für uns alleine. Kurz vor dem Spiel kamen aber noch mehr Leute. Ich war froh mein Handy laden zu können und Internet zu haben. Während Thomas mit den Rucksäcken und Marvin in der Bar geblieben ist, bin ich mit Blondi nochmal in die Stadt. Ich wollte noch ein paar Fotos machen. Am Strand hatte man einen unheimlich langen Blick auf die nächsten Klippen. Das wir noch eine Weile dauern, bis wir an den letzten Klippen, die ich sehen konnte, sind.

Blondi und ich sind dann zurück in die Bar und die Hunde haben sich trotz Torjubel relativ ruhig verhalten. Nach dem Spiel wollten wir noch ein Stück weiter gehen. Ich bin mir jedoch erst noch in die Kirche dort ansehen gegangen. Es war eine moderne Kirche. Über dem Eingang schmückte außen ein großes, stilisiertes Boot die Wand. Innen war sie ganz schlicht. Hinder dem Altar noch eine Mauer und auf dieser standen mehrere, große Bootsmodelle. Die Fenster waren in Blautönen gehalten. In der Kurche war es warm und roch nach Kerzen. Im Eingangsbereich waren Gedenktafeln für Menschen angebracht, die von der See nicht zurück gekommen sind. Die Tafeln hatten sehr junge Daten, zum Teil waren sie aus dem letzten Jahr.

Für uns ging es dann die Klippen wieder rauf und auf staubigen Wegen zwischen Feldern entlang. Die hupenden Autos der Stadt, Frankreich hat ja gewonnen, waren noch zu hören. Thomas meinte wir hätten auf letztem Stück mehr Felder als Klippen gesehen. Wir sind jetzt in Manneville-és-Plains, auf einer Wiese hinter der Kirche. Der Ort ist wirklich schön und um uns herum sind Bachsteinhäuser, die mit Feuerstein oder Granit kombiniert sind. Es sieht hier alles wirklich sehr gepflegt aus.

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