Borgloon

Heute früh waren wir die Ersten, die auf dem Biwakplatz wach waren. Wir haben ausgiebig gefrühstückt. Erst allein und dann mit Ewan, dem Radfahrer von gestern Abend. Es war wirklich ein schöner Start in den Tag.

Als wir gerade am Packen waren, kamen die Zuständigen für den Platz und haben die Pumpe repariert und uns auch gleich noch eine gute Reise gewünscht. Dann ging es los.

Heute morgen war es ziemlich neblig und wir sind bei nur 17 Grad gestartet. Das war ganz schön frisch für mich. Wir sind erst noch ein Stück am See entlang gegangen, bevor es dann Richtung Ort ging. Es wirkte alles noch ganz verschlafen durch den Nebel.

Im ersten größeren Ort haben wir einen Stolperstein gesehen. Ich glaube das war mein erster hier in Belgien. Es ist schon seltsam sie außerhalb Deutschlands zu treffen. Irgendwie habe ich mich daran gewöhnt, sie in Deutschland quasi überall zu sehen. Sich daran zu gewöhnen ist traurig. Es ist ein bisschen wie abgestumpft sein. Irgendwann nimmt man es nicht mehr war.

Der Ort, Sint-Truiden, war dann doch viel größer als wir dachten. Er hatte schöne große alte Stadthäuser und genauso kleine Arbeiterhäuser. Der Ortskern war ziemlich lang gezogen und so haben wir eine ganze Weile gebraucht, um ihn zu durchqueren. Nach dem Ort sind wir lange auf dem Fahrradweg einer viel befahrenen Straße gelaufen. Das war ziemlich anstrengend. Als wir dann von der Straße in einen kleinen Ort abgebogen sind, haben wir erstmal unsere Mittagspause an einem Spielplatz gemacht. Um den Spielplatz wohnten zwei Hunde, die nicht glücklich darüber waren, dass wir dort waren. Sie bellten ziemlich viel. Und Marvin und Blondi natürlich mit ihnen. Einmal hat Blondi tatsächlich auf meinem Finger am Mund und dem Pssst aufgehört zu bellen und mich ganz aufmerksam angesehen. Ich hoffe sehr, dass das nicht nur Zufall war. Es wäre wirklich zu schön.

Nach dem Ort ging dann unser Weg zwischen Obstplantagen weiter. Die Birnenernte ist im vollen Gange. Auf dem Feldern sind überall Arbeiter und pflücken das Obst. Das muss eine wirklich anstrengende Arbeit sein. Und an jeder Baumreihe stehen drei ein Kubikmeter große Kisten. Das sind in jeder Kiste so unglaublich viele Birnen. Bei dem ganzen pflücken und transportieren müssen die Birnen auch noch schön bleiben. Es scheint so, dass das Obst hier wirklich zum roh essen gedacht ist, denn nicht weit von den Feldern, sind große Lagerhallen, die gekühlt aussehen.

An einer Apfelplantage haben wir dann nochmal eine Pause gemacht, um etwas zu schlafen. Dort war die Ernte noch nicht im Gange und bis auf unsere bellenden Hunde war alles still. Mit Schlafen war da leider nicht viel.

Von weitem haben wir immer wieder wie große Gutshäuser mit spitzen Türmen gesehen. Leider sind wir bei keinem direkt vorbei gekommen. Auch Gebäude, die Klöster hätten sein können haben wir immer wieder gesehen. Heute fehlte uns ein Reiseführer, der uns verrät was wir gerade sehen. Das wäre bestimmt spannend gewesen.

Wir waren dann auch viel schneller, als auf der Karte vermutet im Ort Borgloon. Auch bei dem dachten wir, der wird nicht groß sein und waren dann über das Parkleitsystem mit fünf Parkplätzen überrascht. Wie groß er aber wirklich ist, wissen wir nicht.

Bei der ersten Tür, wo jemand da war, hat uns eine alte Frau geöffnet, die uns leider nicht richtig verstanden hat. Sie dachte wir sind Flüchtlinge und wollte uns an ihren Sohn vermitteln, der sich darum kümmert, dass sie eine Wohnung bekommen. Das war schon lustig.

Bei der nächsten Tür hat uns ein vielleicht achtjähriges Mädchen geöffnet, dass ihre Mama geholt hat. Sie, Sina, kam mit der Jüngsten (vielleicht so 4 Jahre). Als wir erzählt hatten, das wir einen Schlafplatz suchen, waren alle gleich ganz aufgeregt. Die Eltern haben das erst besprochen und dann konnten wir tatsächlich im Garten unser Zelt aufstellen. Arne, der Vater, hat sogar davor noch den Rasen gemäht.

Die große Tochter war auch erst ganz aufgeregt beim Englisch sprechen mit uns. Nach und nach wurden aber alle entspannter. Marvin hat alle immer wieder aufgefordert ihm den Stock zu zu werfen. Und wir haben noch selbstgemachte belgische Waffeln bekommen. Mhh sooo lecker.

Als wir gerade am Kochen waren, kam Sina nochmal mit der Jüngsten in den Garten. Für die Kleine ist es bestimmt auf aufregendsten, zwei fremde Menschen mit anderer Sprache im Garten und auch noch zwei Hunde. Klar, dass sie nochmal gucken wollte wer wir sind.

Auf dem Weg heute und vorgestern haben wir ganz viel Obst gefunden und da wir nicht alles roh essen können, habe ich heute alles zusammen gekocht. Jetzt haben wir für morgen früh Obstkompott und Müsli. Darauf freu ich mich schon. Jetzt liegen wir alle im Zelt und draußen sind etwas entfernt Autos auf einer Straße zu hören.

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