Montag

Immernoch ankommen. Rein finden. Heute morgen und am Abend haben wir die Schafe alleine gefüttert. Die trängeln ganz schön mit ihren Köpfen, um schnell etwas zu futtern zu bekommen.

Nach dem Füttern, habe ich weiter die Wolle mit ihren Banderolen beklebt und Wollkartons sortiert und gezählt und Thomas hat eine Tür eingebaut.

Nach der Mittagspause hat Thomas die Tür noch fertig verputzt und ich habe das Heu angefangen für die Schafe vorzubreiten. Ich habe das Heu über die Rutsche und das Fallloch in Stall geschickt. Zwischendurch hing es immer mal wieder an verschiedenen Stellen fest. Die musste ich dann wieder frei schubsen, damit alles Futter auch bei den Schafen ankommt. Als Thomas fertig war, hat er mir noch mit dem restlichen Heu und dem Freischubsen geholfen. Da es dann noch zu früh zum Füttern war, sind wir noch eine Runde mit den Hunden gelaufen. Die Schafe blieben blöckend zurück. Mit dem Futter vor der Nase fanden sie es nicht so lustig zu warten.

Gefüttert war dann später auch schnell. Da ja alles vorbereitet war. Die Schafe waren happy und standen laut mampfend da.

Wir fühlen uns hier noch nicht so richtig angekommen. Einerseits fühlt es sich immerwieder nicht wirklich organisiert an, so dass wir keine Arbeit so richtig haben, anderseits fühle ich mich was die Arbeit angeht nicht wirklich gleichberechtigt Thomas gegenüber. Ich habe zwar noch nie eine Tür eingebaut, aber das heißt ja nicht, dass ich nicht mit helfen kann. Wir hoffen sehr, dass die Organisation und damit auch die Aufgabenverteilung besser wird.

Erkundung

Heute haben wir das erste Mal die Schafe mitgefüttert. Die haben uns gar nicht so laut begrüßt am Morgen. Für die Schafe gab es Körner, da das Heu knapp ist.

Nach dem Füttern haben wir den kleinen Verkaufsraum weiter eingeräumt und sauber gemacht. Und versucht auch noch die leeren Kisten etwas nett zu stapeln. Danach ging es in der Küche und damit im warmen weiter. Wir haben Wollknäule mit ihren Banderolen versehen.

Nach dem Mittagessen sind wir dann eine Runde mit den Hunden gelaufen. Wir wurden von Flip und Jo, zwei Bordercollies, begleitet. Marvin und Jo sehen sich wirklich sehr ähnlich und die beiden haben auch die ganze Zeit zusammen rumgetollt. Flip war uns immer ein Stück voraus und wartete immer wieder.

Nach dem Spaziergang haben wir noch etwas geschlafen, bevor wir den Schafen neues Stroh zum Stehen gegeben haben. Dabei haben wir auch gleich die Körnerpellets vorbereitet. Die Herde kam dann richtig reingerannt und ein Schaf hätte mich auch gleich umgerannt. Ich hatte ihnen das Tor geöffnet und musste erstmal nah an der Wand warten, bis alle Schafe drin waren. Dann gab es noch Heu für die Schafe. Als alle versorgt waren, gab es für uns auch Abendessen.

Nach dem Essen ging es in unser Zimmer. Thomas hat nochmal Feuer gemacht und als ich duschen war, war er mit den Hunden spazieren. Jetzt liegen wir eingekuschelt im Bett.

Kvam

Wir sind angekommen. Auf dem Wwofing-Hof. Nicht nur in Mitteleuropa war und ist das Wetter dieses Jahr extrem. Auch hier.

Wir sind bei lauschigen 5 Grad aus dem Zug gestiegen. Im Auto haben wir dann arfahren, dass hier normalerweise schon seit zwei Monaten Schnee liegt. Nächste Woche soll es dann langsam kälter werden. Ich hoffe sehr, dass wir genügend warme Sachen mithaben.

Heute Abend ging es aber erst mal mit Abendessen und Hunde vorstellen los. Hier leben drei Bodercollies, die uns gleich ziemlich neugierig begrüßten. Blondi war das erstmal alles zu viel und sie war froh, im Zimmer zu sein.

Im dunkeln haben wir von den Häusern noch nicht so viel gesehen, aber wie Bullerbü sieht es hier bestimmt nicht aus. Wir sind etwas höher als der Ort gelegen und stecken gefühlt schon in den Wolken.

Aber jetzt sind wir erstmal ins Bett gekuschelt.

Oslo

Heute war erstmal etwas länger schlafen und eine Runde mit den Hunden angesagt. Und obwohl wir nur im Wohngebiet spazieren waren fühlt es sich doch so an, als wären wir mitten in der Natur. Überall sind Bäume und Felsen zu sehen und dazwischen bunte Holzhäuser. Es ist wirklich schön.

Nach der Runde mit den Hunden sind wir in die Innenstadt gefahren. Erst mit dem Bus und dann mit der Metro. Ich habe unterwegs Migräne bekommen und war froh, dass ich in der Metro noch etwas schlafen konnte.

Am Nationaltheater sind wir ausgestiegen und zum königlichen Schloss gelaufen. Vor dem Schloss standen vier Wachen, die ab und zu rum gelaufen sind. An sich war es dort aber sehr ruhig. Anschließend sind wir in Richtung Hafen gegangen und an der Uferpromenade entlang spaziert. Die Häuser waren dort eine schöne Mischung aus midern und trotzdem mit traditionellen Elementen. Es waren nur wenig Touristen unterwegs und so hatten viel Platz um in Ruhe zu schlendern. Nach der Uferpromenade sind wir am Rathaus vorbei wieder mehr in Richtung Innenstadt gegangen.

Da ich durch die Migräne ziemlich müde war, sind wir dann auch schon recht bald zurück gefahren. Die Stadt war trotzdem sehr schön. Und auch Thomas hat es das erste Mal in einer Stadt gut gefallen.

Den Nachmittag haben wir dann zum großen Teil verschlafen. Die Hunde waren froh, dass wir zum Kuscheln zurück waren.

Heute Abend haben wir dann nochmals mit unseren Warmshower-Gebern gegessen. Und schon war der Tag um….

Kiel-Oslo

Die letzten Tage war es hier etwas ruhiger. Wir haben die letzten Sachen für Norwegen vorbereitet. Waren mit den Hunden beim Tierarzt und haben noch ein paar Bienenwachstücher gemacht, damit wir unterwegs noch mehr auf Plastik verzichten können.

Dann ging es gestern etwas stressig los nach Kiel. Ich merke, dass ich viel angespannter bin, als bei den letzten Länderwechseln. Von Norwegen geht es nicht so schnell zurück, wenn wir ein Problem haben sollten. Als wir im Zug saßen lösste sich die Anspannung langsam. In Kiel angekommen sind wir auch direkt zum Terminal gegangen, da unsere Rucksäcke viel zu schwer für eine Stadtbesichtigung sind. Die Wintersachen machen sich wirklich bemerkbar.

Wir waren natürlich viel zu früh da und mussten noch warten bis wir auf die Fähre konnten. Auf der Fähre dann, mussten wir als erstes Blondi und Marvin in ihre Box bringen. Zum Glück waren die Boxen groß genug, dass beide in eine gehen konnten und sie nicht so alleine waren.

Dann ging es in unsere Kabine. Ein großes Bett, ohne Hundehaare mit angeschlossenem Bad und Fernseher. Nicht dass wir den Fernseher vermisst hätten, aber dort konnten wir unsere Strecke beobachten. Das ruckeln des Boot war ungewohnt. Es fühlte sich so an, als ob unser ganzer Körper zuckt. Zum Glück gab es keine starken Wellen.

Kurz vor Oslo ist mir dann auch noch ein Licht aufgegangen, wofür die weißen Papiertüten in den Spendern überall sind.

Die Hunde durften wir dreimal besuchen und etwas bewegen. Wir wurden immer zu ihnen begleitet, da wir auf das geschlossene Autodeck mussten. Ansonsten waren wir die meiste Zeit in unserer Kabine. Das bunte Glitzer-Shopping-Programm war nicht so unseres.

In Oslo angekommen, ging es erstmal durch den Zoll nach draußen und dann in Richtung Bahnhof. Auf unserem Weg wurden viele Häuser gebaut, bevor wir die Shopping-Straße erreichten. Dort war dann Fußgängerzone und wir sind recht entspannt zum Bahnhof gekommen, um unser Zugticket für Samstag zu kaufen.

Die Hunde bellen heute ziemlich schnell, für sie war die Überfahrt doch recht anstrengend. Wir vermuten, dass sie nicht so viel geschlafen haben.

Jetzt haben wir uns eine Bar gesucht und sitzen und trinken Kaffee, bevor es nachher zu unserem Warmshower-Platz geht….

Lübeck

Nachdem hier gestern viel die Nähmaschine und die Ukulele lief, waren heute Arztbesuche angesagt.

Erst waren wir mit Thomas beim Zahnarzt, dann beim HNO-Arzt und dann nochmal beim Zahnarzt. Zwischendurch gab es noch schnell was zu essen. Der Tag war damit schon ziemlich gefüllt. Ich war nach dem letzten Zahnarztbesuch noch einkaufen, während Elisa und Thomas Afra vom Jan vor dem Kindergarten abgeholt haben.

Die Stimmung ist bei Thomas gerade nicht gut, da der Zahnarzt ihm das Rauchen verboten hat, damit die Wunde besser heilen kann. Das war jetzt ein ziemlich plötzlicher Stopp. Nach dem Abendessen ist Thomas direkt ins Bett gegangen, während ich noch mit den Hunden eine Runde unterwegs war.

Morgen ist unser letzter voller Tag hier und wir haben noch so einiges vorzubereiten.

Lübeck

Seit gestern Abend sind wir in Lübeck bei Elisa und ihrer Familie. Der Tag war heute wieder voll.

Nach dem Frühstück und der Hunderunde sind wir mit Jan, Afra und Sky in Richtung Stadt aufgebrochen. Wir haben am Stoffladen gestoppt und sind dann zurück zur Wohnung, um unsere Beutel fertig zu nähen. Thomas hat ein bisschen Ukulele geübt.

Stella ist uns heute Nachmittag besuchen gekommen. Wir haben sie am Bahnhof abgeholt und sind dann in Richtung Innenstadt geschlendert. Im Kaffeehaus gab es für uns Quiche, Pannini und Kuchen. So gestärkt sind wir in Richtung Wasser gegangen um dort noch etwas zu spazieren. Es lagen einige traditionelle Segler nicht weit von der Innenstadt entfernt vor Anker. Sie waren schön anzusehen.

Auf dem Rückweg in Richtung Bahnhof sind wir noch durch das Holsten Tor gelaufen. Von der Seite sieht das Tor ziemlich schief aus, zum Glück ist es so massiv gebaut, dass es nicht umfällt. Es war ein wirklich schöner Nachmittag.

Seit langem hatten wir heute ein bisschen Regen und Wind. Das war erstmal etwas ungewohnt und doch gut. Alles fühlte sich schon so ein bisschen adventlich an, auch wenn noch nicht so viel Lichtetschmuck an war.

Jetzt liegen wir in unserem Zelt auf dem Trockenboden und hören die Autos auf der Straße vor dem Haus.

Ostritz

Heute mal so zwischendurch. Gestern war unser letzter Tag hier, nachher geht es gleich weiter.

Wir waren noch etwas spazieren. Die Nähmaschine hat geglüht und wir haben die letzten Beutel genäht. Auch meine Hose ist jetzt fast fertig.

Wir suchen auch noch immer eine Unterkunft für Oslo. Das hat Thomas auch noch weiter gemacht.

Ansonsten war Sachen waschen und packen angesagt und ein bisschen aufräumen. Abends gab es dann noch Cidre und einen Film.

Heute morgen waren wir dann doch noch schnell beim Arzt, um Thomas Kopfschmerzen auf den Grund zu gehen. Jetzt haben wir eine Ahnung und einen Plan, was wir noch tun müssen.

Jetzt ist alles gepackt und wir warten auf den Zug…

Ostritz

Wir sind noch in Ostritz. Pausentage und Wintervorbereitung. Zelt reparieren. Spazieren gehen. Beutel nähen. Kaffee trinken. Im Garten helfen. Löffel machen. Zeit haben. Nähen. Sortieren. Sachen Waschen. Schuhe pflegen. Und wieder nähen. Und nochmals nähen. Ich sitze immer wieder an der Nähmaschine, um unsere Rucksäcke mit ein paar Beuteln zu ergänzen und um die ständig kaputt gehenden Zippbeutel zu ersetzen…

Heute waren wir dazu noch in Herrnhut, um Kaffee zu trinken, einzukaufen und uns die Sternelei anzusehen. Wer kennt sie nicht die wunderschönen Herrnhuter Sterne? Für mich sind sie immer ein Stück zu Hause, wenn ich sie irgendwo entdecke.

Ostritz

Heimatort. Zuhause. Sachsen. Friedensfest. Oberlausitz. Grenzregion.

Wir hatten jetzt zwei Tage Blogpause, da wir nach Ostritz zu meinen Eltern gefahren sind. Offiziell wohne auch ich hier, wenn wir nicht gerade mit unserem Zelt irgendwo in Europa stehen. Die Bahnfahrt war anstrengend, da wir am Ende zwei Stunden später da waren als geplant.

Ostritz. Der Name war dieses Jahr öfter in der Presse. Oft in Verbindung mit einen Nazi-Festival, aber auch mit den Gegenveranstaltungen. Schon im April waren die Nazis hier und es gab ein großes Friedensfest und Aktionen dagegen. Und auch jetzt waren sie wieder da und jetzt gab und gibt es Gegenwehr. Gegen das Nazisportfest gab es ein Laufevent, um Geld für Aussteigerprojekte aus der rechten Szene zu sammeln und jetzt wieder ein Friedensfest.

Mehr politisch und mehr christlich geprägt. Und der Ort steht immer wieder vor dem Balanceakt wenig Geld zur Verfügung zu haben und trotzdem die Nazis nicht einfach machen zu lassen, sowie am Ende miteinander weiter gut umzugehen im Alltag.

Wir waren dort. Unterstützten durch da sein. Farbe bekennen. Parallel gab es eine Veranstaltung von Rechts rockt nicht. Genauso wichtig, wenn auch vielleicht nicht so sehr besucht von den Ostritzern. Schade und Schade, dass Kräfte nicht gebündelt werden. Das wir und für eine bunte Welt betont wird.

Danke, dass so viele Leute sich engagiert, vorbereitet, geholfen haben. Danke, dass Ostritz bunt ist. Danke, dass es friedlich war.

Immer wieder hatten wir auf unserer Reise mit Vorurteilen, vermeitlich jetzt sagbaren rechten Gedanken zu tun. Unsere Hautfarbe. Ein Vorteil für unsere Reise. Schade. Und da ist Wut darüber, dass es so ist.

Und wir haben auch viele vorurteilsfreie Begegnungen und Gespräche gehabt. Wirkliches Interesse und gesehen werden. Unterstützung und gute Wünsche. Ich bin froh über diese Begegnungen und ich bin froh zu sehen, dass Europa oft viel bunter ist, als in unseren Köpfen.

Wir bereiten uns jetzt auf Norwegen vor und hoffen auf viele weitere gute Begegnungen.