Born

Heute morgen hatte der Regen aufgehört und wir konnten in Ruhe unsere Sachen packen. Dann ging es los, immer am Strand entlang. Wir haben das echt vermisst. Es waren noch wenig Menschen unterwegs und wir konnten einfach laufen.

Kurz vor Prerow sind wir dann auf den Radweg gewechselt. Dort kam uns eine andere Wanderin entgegen. Sie kam mir irgendwie bekannt vor. Ich hatte aber auch nur einen kurzen Moment Blickkontakt, da dann Blondi wieder an der Leine zog. Der Radweg war hier zum Glück nicht asphaltiert. Wir hatten eine tolle Aussicht auf den Bodden mit seinem breiten Schilfgürtel. In Prerow haben wir noch eingekauft und unsere Mittagspause gemacht.

Dann ging es durch einen wunderschönen Wald in Richtung Born weiter. Wir lieben es sehr im Wald zu sein. Es entspannt uns sehr und es ist einfach ein gutes Gefühl. Wir haben von Weitem Hirsche gehört. Der Weg den wir gegangen sind, war auch ein Reitweg, sodass der Boden ganz angenehm weich war. Wir haben ein paar Pilzsammler gesehen, aber ansonsten war es relativ ruhig.

In Born wollten wir eigentlich im Ort noch einen Kaffee trinken, aber es fing wieder an zu regnen, so dass wir doch direkt zum Campingplatz gegangen sind. In Born gibt es viele Reetdachhäuser und auch sonst wirkt alles sehr schön gepflegt und etwas weniger touristisch wie Prerow.

Am Campingplatz war meine Stimmung echt am Tiefpunkt. Mit den Hunden dürfen wir unser Zelt nicht in den Dünen aufschlagen. Das war aber der eigentliche Grund, warum ich den Platz ausgesucht hatte. Born ist nämlich eigentlich nicht am E9 gelegen. Wir stehen jetzt im Wald, aber der Campingplatz ist sonst nicht so unseres. Es gibt wieder keine Tische und nichts zum Sachen trocknen. Wir stehen jetzt hier in einem kleinen Wald auf dem Platz. Die Dusche und das Abendessen haben meine Stimmung aber wieder gehoben.

Zingst

Heute Nacht hat es angefangen zu regnen. Zum Zelt abbauen gab es eine kurze Regenpause. Und dann ging es weiter. Erst mit leichtem Regen und dann richtig doll. Wir waren naß. Unsere Rucksackhüllen und Rucksäcke haben den Regen nicht abfangen können. In Barth einen Kaffee zu trinken war nicht möglich. Einerseits war fast alles noch geschlossen anderseits waren wir triefend naß.

Bis Barth hat meine Jacke auch ganz gut gehalten, aber hinter Barth fing der Regen nochmal richtig doll an. Das konnte meine Jacke nicht mehr halten. Zum Glück hatte ich Wollsachen an, die wenigstens trotz Nässe wärmen. Die Stimmung kippte mit jeden neuen Schauer etwas. Die Hunde mögen keinen Regen. Ich bin eigentlich gern bei Regen unterwegs, dann aber mit dichten Sachen. Unsere Europareise hat unserer Ausrüstung doch mehr zugesetzt als gedacht.

Landschaftlich war die Strecke aber sehr schön. Es ging an Wiesen und Feldern vorbei und durch einen tollen Wald. Der einzige Hacken war wie immer der Asphalt. Die Strecke ist wirklich für Radfahrer nicht für Wanderer geplant. Radfahrer sind uns erst mehr begegnet als der Regen aufgehört hatte. Neben den Radfahrern haben wir dann auch wieder mehr Begegnungen mit Mücken gemacht. Wir sind wieder gut gestochen wurden.

Jetzt sind wir in Zingst auf dem Campingplatz. Es ist ein riesiger Platz und eigentlich so gar nicht unser Ding. Aber für die Zelte gibt es hier einen kleinen abgetrennten Bereich. Das ist ganz gut. Hier ist es etwas geschützter und ruhiger. Wir waren froh angekommen zu sein.

Dabitz

Heute früh waren wir ziemlich schnell beim Rucksäcke packen, da der Himmel nach Regen aussah. Es war windig und eher grau.

Der Weg ging weiter auf dem Deich entlang und wir hatten eine tolle Aussicht über die Felder und das Wasser. Es waren noch wenig Radfahrer unterwegs. Uns ist heute nochmal richtig aufgefallen, dass uns oft jüngere Radwanderer grüßen. Radfahrer mit wenig Gepäck, grüßen uns unterwegs eher nicht.

Wir haben immer mal wieder kurz Pause gemacht, um Kraniche zu erspähen und unsere Füße etwas zu schonen. Der Weg war nämlich mal wieder an vielen Stellen asphaltiert. Kurz vor unserem Ziel, Dabitz, fing es dann noch leicht an zu regen.

Am Hafen in Dabitz gibt es einen kleinen Campingplatz. Für Zelte gibt es hier wohl immer einen Platz. Campingwagen müssen sich wohl anmelden. Wir sind am späten Vormittag hier angekommen und haben unser Zelt aufgebaut. So hatten wir den ganzen Nachmittag Zeit, um zu entspannen, duschen, Wäsche waschen und den Kranichen zu lauschen.

Zühlendorf

Wir wurden heute vom Ruf der Kraniche geweckt. Der Nebel stand noch über der Wiese und die Sonne ging rot auf. Ein guter Start in den Tag.

Nach dem Zeltabbau gab es Kaffee und wir starteten. Wir entschieden uns der E9 kurzzeitig zu verlassen und etwas abzukürzen, da wir gern den nächsten Campingplatz erreichen wollten und wir merken, dass wir nucht so gut trainiert sind bzw unsere Rucksäcke noch zu schwer.

Also ging es wieder an der Straße entlang, bis in den nächsten Ort. Ab da waren wir wieder auf dem E9 unterwegs, aber an der Straße und dem Asphalt änderte es nichts.

Nach einem weiteren Ort nahmen wir einen kleinen Umweg durch einen Wald. Der Untergrund war hier angenehmer und es gab sogar noch einen Vogelaussichtspunkt. Wir haben noch ganz schön mit dem Gewicht unserer Rucksäcke zu kämpfen. Wir haben für die erste Woche Trekkingverpflegung dabei. Einerseits sind wir gerade froh nicht nach Supermärkten gucken zu müssen anderseits wäre ein leichterer Rucksack auch toll.

Der Weg ging dann immer weiter auf Asphalt. Selbst dort wo keine Autos fahren durften war alles für die Fahrradfahrer asphaltiert. Die Infrastruktur ist hier wirklich auf Radfahrer ausgelegt. Es gibt wenig Campingplätze und kaum Möglichkeiten zwischendurch Wasser aufzufüllen, aber jede Menge Rastplätze.

Der Weg ging immer weiter an der Küste entlang. Wir hatten eine tolle Aussicht und haben viele Schwäne und andere Vögel gesehen. Es war richtig ruhig. Keine Autos waren zu hören. Ein Stück des Weges ging es dann auf dem Deich entlang.

Am Hafen von Zühlendorf haben wir dann gestoppt. Uns tat alles weh und bis zum Campingplatz sind es noch 8km. Die gehen wir morgen. Thomas ist in den Ort gelaufen und hat Wasser und Kuchen geholt. Ich habe mit den Hunden wieder gewartet. Beide Hunde waren auch wieder müde, aber Marvin musste trotzdem wegen jedem anderen Hund bellen.

Klausdorf

Seit gestern sind wir wieder unterwegs. Wir wollten unsere Reise entspannt starten lassen und haben den Zug nach Stralsund genommen.

In Stralsund ging es erstmal etwas durch die Stadt in Richtung Sund. Uns ist in der Stadt schon aufgefallen, dass der Weg gar nicht ausgeschildert ist. Das hat sich auch bis Klausdorf so weiter gezogen. Wir hatten dadurch oft die Karte und das Telefon in der Hand.

Am Sund entlang ging es immer weiter auf einem asphaltierten Fahrradweg. Das war am Anfang noch ganz nett, ging aber schnell auf die Füße. Der Weg folgte der Küstenlinie und wurde mal zur Straße und dann wieder zu einem Radweg. Wir sind an vielen Feldern und durch ein paar kleine Orte gelaufen. Es war für September richtig doll warm und viele Radfahrer unterwegs. Die Hunde waren sehr nervös und aufgeregt und haben viel gebellt.

Ach einem See tat sich ein kleiner schöner Strand auf. Dort wären wir am Liebsten gebliebenen. Wir hatten nur kein Wasser. Also sind wir noch weiter bis Klausdorf gelaufen. Dort ist Thomas dann nach Wasser fragen gegangen und ich habe auf ihn mit den Hunden zusammen gewartet. Dann ging es noch ein kleines Stück bis zum nächsten Strand.

Die Wiese die uns erwartet war voller Moos und Pilzen. Das Moos bildete einen wunderbaren Teppich und ließ uns gut liegen. Die Mücken freuten sich auch über uns. Wir haben schnell das Zelt aufgebaut und sind darin verschwunden. Unser Innenzelt ist kaputt. Die Tür funktioniert nicht mehr, also mussten wir mit unseren Handtüchern den Eingang verschließen, damit die Mücken draußen blieben. Wir waren ziemlich knülle vom Tag und haben schnell geschlafen.

Wut

Seit dem Wochenende haben wir ein richtiges Bett. Thomas hat es gebaut. Bis jetzt haben wir zwischen Luftmatratze, Sofa und Futon gewechselt. Mit dem Bett fühlt es sich noch etwas mehr an, wie hier anzukommen und gleichzeitig wird die Sehnsucht wieder aufzubrechen größer. Ich fühle mich aber auch unglaublich wütend. Jedes Mal wenn ich daran denke wieder aufzubrechen, wird mir bewusst, wieviel Ressourcen wir dabei nutzen, was unser Anteil an der Veränderung der Welt ist. Ich bin wütend, dass ich mich oft machtlos fühle und ständig das Gefühl habe noch nicht genügend zu tun. Und ich werde wütend über die vielen kleinen Unachtsamkeit im Alltag, die am Ende doch so viel ausmachen können. Ich werde traurig und wütend wenn ich Bilder von Australien sehe, wie die Tiere unter unserer Unachtsamkeit leiden und ich werde wütend, wenn ich höre, dass wieder Menschen auf der Flucht gestorben sind. Wie kann ich Verantwortung hier übernehmen? Bevor es im wahrsten Sinne des Wortes brennt. Wie seht ihr das?
Dieses Jahr stehen für uns einige Veränderungen an. Nicht nur in der Vorbereitung unserer Hochzeit versuchen wir noch mehr auf Umweltverträglichkeit zu achten, sondern auch in unsere Art zu leben. Unser Bett ist übrigens aus Holz entstanden, dass in den Müll sollte… Was bewegt euch? Wie findet ihr die Balance?

Weihnachten

Letztes Jahr waren wir zu Weihnachten in Norwegen. Wir waren auf einem Schafhof und haben mit der Familie dort Weihnachten gefeiert. Dieses Jahr sind wir in Frankreich, bei Thomas‘ Familie. Zwischen diesen beiden Tagen liegen 365 weitere, bunte, aufregende, spannende Tage.

Wir haben im letzten Jahr wieder viel erlebt. Wir sind von Fremden herzlich aufgenommen wurden, haben verschiedene Länder gesehen und hatten jede Menge tolle Begegnungen. Wir haben uns getraut gemeinsam loszugehen und uns darauf eingelassen was passiert. Wir sind dankbar für jede Begegnung und wissen doch, dass wir privilegiert sind. Unsere Haut ist hell, unsere Haare auch, wir tragen kein Kopftuch und Bart zu tragen ist gerade in. Wären uns auch so viele Türen geöffnet, wenn wir dunkle Haut hätten, dunkle Haare und Kopftuch tragen würden? Würdet ihr uns die Türen auch dann öffnen?

Ankommen Teil 2

Eigentlich schwirren in meinem Kopf noch hundert Posts über unsere Reise und das Material und doch ist noch keiner getippt.

Wir sind in den letzten Wochen umgezogen und seit Montag arbeite ich wieder. Wir haben Thomas in Deutschland gemeldet und eine Menge Papierkram erledigt. Das alles hat uns ziemlich in Anspruch genommen. Wir versuchen uns in einem neuen Alltag zurechtzufinden. Und doch begleiten uns die Erlebnisse der letzten Monate jeden Tag. Der E9 verläuft zum Beispiel auch durch Greifswald und obwohl ich lange hier gelebt habe, sind mir die Zeichen erst jetzt aufgefallen. Mein Blick auf die Dinge und Natur hat sich verändert.

Gestern sind wir spontan noch mit dem Fahrrad ein Stück gefahren. Wir sind in das Fischerdorf Wieck gefahren und konnten dort viele Segelboote, im abendlichen Licht, auf dem Bodden beobachten. Es war so ein schönes und ruhiges Bild. Das Wasser war komplett still und lag wie ein Spiegel da. Es war einfach wunderschön.

Zurück ging es auf dem Treidelpfad am Ryck. Dieser ist Teil des E9. Am Flussufer saßen lauter Angler und auch sonst waren viele Leute dort unterwegs. Hungrig und glücklich kamen wir in unserer Wohnung an.

Thomas wollte mit den Hunden raus und ich kochen. Naja es blieb beim wollte. Marvin hatte plötzlich starken Durchfall auf der Treppe. So hieß es erstmal Treppe reinigen, wischen und desinfizieren. Bis alles fertig war dauerte es eine Weile.

Total müde sind wir da nach ins Bett gefallen.

Ankommen

Wir sind ja jetzt schon eine Weile wieder in Deutschland. Die ersten Wochen haben wir bei meinen Eltern verbracht und seit Donnerstag haben wir jetzt auch eine eigene Wohnung. Unsere erste Gemeinsame.

Und trotzdem sind wir noch lange nicht wieder angekommen. Die ganzen Wochen gab es viel zu organisieren und zu tun. Ein Gefühl des Ankommens hat sich nicht eingestellt. Ich weiß auch gar nicht so richtig was ich erwarte, wie es sich anfühlen kann, angekommen zu sein.

Seit wir hier in Greifswald sind macht sich bei mir eher eine Dauermüdigkeit breit, obwohl auch hier unsere To-do-Liste lang ist und wir vieles bis Anfang September zu organisieren haben. Gleichzeitig ist da immernoch dieses Fernweh und das Gefühl, dass unsere Reise sich nicht fertig anfühlt.

Ab September geht für mich die Arbeit wieder los. Neue Apotheke, neue Leute, neue Stadt und wieder pendeln. Ich bin nervös, aufgeregt und träume fast jede Nacht von der neuen Stelle. Meist alles Dinge die schief gehen könnten.

Ganz anders dagegen Blondi. Sie ist wie verwandelt. Nachdem der erste Tag etwas anstrengend mit ihr war, ist sie seit heute hier richtig angekommen und in ihrem Flow. Wenn ich allein mit ihr unterwegs bin zieht und bellt sie kaum, schnüffelt und freut sich über jeden Hund. Klar ist es anders, wenn wir mit beiden Hunden unterwegs sind. Dann bellen beide viel schneller, aber auch das scheint sich langsam etwas besser einzuspielen.

Ich zeige euch noch ein Bild von meinen „Sommer-wir-malen-die-Wohnung“-Füßen. Ich glaube die stehen gerade ganz gut für dieses Dazwischen-Gefühl.

Kurort Jonsdorf

Heute gab es bei uns einen Sonntagsausflug ins Zittauer Gebirge. Wir sind gemeinsam mit meinen Eltern nach Jonsdorf gefahren. Dort gibt es nahe der Waldbühne einen großen Parkplatz, der sich gut als Startpunkt für Wanderungen eignet.

Von dort ging es los in Richtung Gondelfahrt. Das ist eine Gaststätte und ein kleiner Teich zum Boot fahren. Vorbei an einer großen Wiese bogen wir im Wald nach rechts in Richtung Waltersdorf und Nonnenfelsen ab. Wir ließen den Nonnenfelsen rechts liegen und folgten dem Weg bergauf in Richtung Waltersdorf. Der Weg ging zwischen ein paar Felsen entlang und war mit Stufen ausgestattet. Am Ende dieses ersten Aufstiegs ging es nach links auf einem breiten Schotterweg durch den Wald. Dem Weg immer geradeaus folgend erreichten wir Waltersdorf an der Wache. Auch dort gibt es eine Gaststätte und einen Park zum Rasten. Thomas und ich sind von dort aus noch auf die Lausche gegangen. Die Lausche ist der höchste Berg des Zittauer Gebirges mit ihren 794 Metern. Wir sind auf der deutschen Seite zum Gipfel gelaufen. Nach den ersten Metern kommt die Hubertusbaude, ein Hotel mit Restaurant. Der Aufstieg geht nach der Baude relativ steil. Man passiert die Skihänge und geht dann im Wald auf ausgewaschenen Schotterwegen zum Gipfel. Auf dem Gipfel wird gerade das Aussichtsplateau neu gemacht, aber trotzdem hatten wir eine tolle Aussicht.

Auf der tschechischen Seite der Lausche ging es dann in engen Serpentinen durch den Wald zurück ins Tal. Der Weg trifft auf einen breiten Forstweg, dem wir nach links folgten. Nach 600 Metern kommt ein Ort, Myslivny, in dem wir uns auch gleich wieder links hielten. Es ging auf einem breiten Waldweg zurück in Richtung Waltersdorf Wache, wo meine Eltern auf uns warteten.

Von der Wache ging es dann rechts wieder in Richtung Tschechische Republik. Auf einem Betonweg sind wir an einem Zeltlager, dass gerade abgebaut wurde vorbei gekommen. Wir passierten ein kleines Hochmoor, dass wir jedoch kaum wahrgenommen haben. Wir folgten hier etwas dem europäischen Fernwanderweg E3. Im ersten Ort, Dolni Svetla, sind wir zum Mittagessen eingekehrt.

Nach dem Mittagessen ging es zurück Richtung Jonsdorf. An der Stelle, an der wir in den Ort gekommen waren, zweigte ein grün markierter Weg ab. Dem folgten wir bis zur deutschen Grenze und dann nach Jonsdorf. Wir kamen dort an, wo wir am Morgen in Richtung Waltersdorf abgebogen sind.

Es war eine schöne Strecke mit ca 11km Länge. Die reine Gehzeit waren in etwas 2,5 Stunden. Wir haben zum ersten Mal mit dem Handy den Weg mitgetrackt. Es war schön nachher unsere gelaufene Schleife zu sehen.